Erkenntnisse aus dem Inneren
- Simon Gehringer
- 19. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Über Neutralität, Verkörperung und die stille Rückkehr zur Quelle
Es gibt Erkenntnisse, die entstehen nicht durch Nachdenken. Sie entstehen, wenn etwas in uns still genug wird, um sich selbst zuzuhören.
Dieser Text ist keine Theorie.
Er ist eine Sammlung von Erfahrungen, Bildern, Körperbewegungen, inneren Dialogen und stillen Einsichten, die sich nicht aus dem Außen ergeben haben, sondern aus dem bewussten Abstieg nach innen.
1. Der Körper als Wahrheitsraum
Eine der grundlegendsten Erkenntnisse dieser inneren Reise lautet: Der Körper lügt nicht – aber er argumentiert auch nicht. Er reagiert. Er zeigt.
Er zieht, hält, kippt, entspannt, spannt an. In einer Zeit, in der wir gelernt haben, alles zu erklären, zu rechtfertigen oder zu bewerten, wirkt das zunächst ungewohnt. Doch genau darin liegt seine Kraft: Der Körper ist kein Richter, sondern ein Resonanzraum. Wenn wir beginnen, ihm zuzuhören, ohne ihn zu benutzen oder zu kontrollieren, entsteht etwas Neues: Dialog statt Dominanz.
2. Neutralität – das übersehene Kraftzentrum
Neutralität wird oft missverstanden als Leere, Gleichgültigkeit oder Abwesenheit von Gefühl. In der inneren Erfahrung zeigt sich jedoch etwas ganz anderes:
Neutralität ist ein Zustand maximaler Verfügbarkeit.
In der Neutralität zieht nichts.
Weder nach vorne noch nach hinten. Weder in Euphorie noch in Widerstand. Körperlich spürbar wird sie als: Aufrichtung ohne Spannung
Leichtigkeit ohne Flucht
Verbundenheit ohne Anhaftung
Neutralität verbindet – nach unten mit der Erde, nach oben mit der Weite, nach innen mit der eigenen Mitte. Sie ist kein Ziel, sondern ein Startpunkt.
3. Das Körperpendel – Selbstführung statt Orakel
Aus dieser Neutralität heraus entsteht ein einfaches, aber tiefgreifendes Werkzeug: das Körperpendel. Nicht als magisches Instrument, sondern als verkörperte Rückmeldung.
Ein inneres „Ja“ zeigt sich oft als Zug nach vorne. Ein inneres „Nein“ als Zug nach hinten.
Beides ist nicht richtig oder falsch – nur Information.
Entscheidend ist nicht die Antwort, sondern der Ablauf:
Neutralität finden
Frage stellen
Körperreaktion wahrnehmen
Zur Neutralität zurückkehren
So entsteht kein Abhängigkeitsverhältnis zum Körper, sondern Kooperation.
Der Körper wird nicht befragt, um Entscheidungen abzunehmen, sondern um innere Stimmigkeit sichtbar zu machen.
4. Wut, Widerstand und gebundene Energie
Ein zentraler Moment dieser Reise war die ehrliche Begegnung mit Wut.
Nicht moralisch.
Nicht spirituell überhöht.
Sondern körperlich.
Im Widerstand zeigt sich Wut als Kraft – als Gegendruck, als Tonus, als Halten. Nicht böse, sondern gebunden.
Der entscheidende Wendepunkt entsteht nicht durch Überwinden, sondern durch Zulassen ohne Gegenwehr.
Wenn der Widerstand gegen die Wut losgelassen wird, verliert auch die Wut ihren Zwang, sich zu behaupten. Energie wird frei. Der Körper findet von selbst zurück in die Mitte. Heilung geschieht hier nicht durch Sieg, sondern durch Kontakt.
5. Atem als Schlüssel zur Freigabe
Immer wieder zeigt sich der Atem als Brücke.
Nicht der kontrollierte Atem.
Nicht der optimierte Atem.
Sondern der bewusst eingesetzte Ausatem.
Ausatmen wird zur Geste des Loslassens:
von Spannung
von innerem Festhalten
von nicht mehr benötigten Zuständen
Ein bewusstes, manchmal auch schnelles Ausatmen kann wie ein energetischer Reset wirken – nicht weil etwas „weggeatmet“ wird, sondern weil der Körper das Signal bekommt: Es ist sicher, loszulassen.
6. Herz, Blut und der Ursprung des Lebens
Eine besonders stille Erkenntnis:
Das Herz ist älter als das Denken.
Es schlug, bevor es ein „Ich“ gab.
Bevor Wahrnehmung, Wille oder Sprache entstanden.
Mit jedem Herzschlag wird Leben verteilt – über das Blut, über die Arterien, bis in jede Zelle. Jede Zelle nimmt auf, was sie braucht, und gibt zurück, was nicht mehr dient.
Leben ist hier kein statischer Zustand, sondern ständiger Austausch.
Die Lunge erneuert.
Das Herz verteilt.
Das Blut verbindet.
Nicht symbolisch – real.
7. Die Reise in die Tiefe – Organe, Knochen, Knochenmark
In der bewussten Innenschau wird der Körper zu einem Landschaftsraum. Organe werden zu Gesprächspartnern.
Berührung wird zu Anerkennung. Streicheln wird zu Beziehung. Noch tiefer: Muskeln, Knochen, Knochenmark. Im Knochenmark – dort, wo neues Blut entsteht – löst sich Individualität auf. Information wird elementar. Licht wird nicht gesehen, sondern erinnert.
Wenn von dort aus das innere Leuchten durch Knochen, Muskeln, Organe und Sinne strömt, entsteht kein Hochgefühl, sondern tiefer Frieden.
8. Der Torus – kein Objekt, sondern ein Erleben
Lange Zeit hilft das Bild des Torus:
Innen → außen → Rückkehr.
Doch irgendwann wird klar:
Der Torus ist kein Ding.
Alle Frequenzen sind immer da.
Alles schwingt gleichzeitig.
Was wir „Prozess“ nennen, ist in Wahrheit ein Wechsel der Zugänglichkeit. Wir üben nicht, etwas zu werden. Wir üben, uns zu öffnen. Die Liebe im Inneren ist nicht abhängig vom Außen. Sie strahlt. Wie sie wirkt, entzieht sich unserem Verstehen – und das ist entlastend. Bis an den Rand dieser Kopplungsschicht können wir gehen. Was darüber hinaus geschieht, geschieht ohne uns.
9. Integration statt Trennung
Das vielleicht schönste Bild dieser Reise ist das Ende des inneren Kampfes.
Armdrücken gegen sich selbst.
Zwei Kräfte im gleichen Körper.
Kein Gegner. Als der Widerstand endet, wird aus dem Kampf eine Handbewegung. Aus dem Druck ein Händereichen. Aus der Spaltung eine Rückkehr zum Herzen.BEnergie, die zuvor gebunden war, steht wieder zur Verfügung.
10. Die Essenz
Alles, was hier beschrieben wurde, lässt sich in einem einzigen Satz bündeln:
Ich muss nichts überwinden.
Ich darf mich wieder sammeln.
Diese innere Arbeit ist weder Flucht noch Abhebung.
Sie ist verkörperte Selbstführung. Liebe wird hier nicht gepredigt. Sie wird erfahren. Neutralität wird nicht gefordert. Sie wird gefunden.
Und das Leben zeigt sich nicht als Aufgabe, sondern als pulsierende Einladung.
Erkenntnisse aus dem Inneren
sind keine Antworten auf die Welt. Sie sind eine Rückkehr zu dem Ort, von dem aus jede Antwort still entstehen darf.





Kommentare