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Ein Märchen, das keines ist Der Tag, an dem Mutter Erde zu sprechen begann

  • Autorenbild: Simon Gehringer
    Simon Gehringer
  • 24. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Ein Märchen, das keines ist

Der Tag, an dem Mutter Erde zu sprechen begann


Es war vor gar nicht allzu langer Zeit, da lebten die Menschen sehr entfremdet von sich. Es ist heute schwer vorstellbar, wie absurd die Situation auf mit Erde damals war. Die Menschen lebten wie in Trance. Abgelenkt von einer Welt, die sie sich selbst erschaffen hatten. Über viele Generationen verlorener und verlorener auf unterschiedlichste Art und Weise. Sie hatten sich selbst und einander verloren, meinten, sie müssten sich alles erkämpfen und gegeneinander arbeiten. Mögen die Bessere gewinnen.


Der Umwelt, wir man damals distanziert sagte, ging es schlecht. Zumindest taten sie alles, um die wundervolle lebendige Luft zu vergiften, das Wasser, Quell allen Lebens und sie entrissen dem Boden alles mögliche. Von Erzen und Edelsteinen über Kohle und Öl bis zu Tieren und Pflanzen, die sie fürchterlich quälten und wie seelenlose Objekte behandelten. Ja, ich weiß, das zu hören, schmerzt immer wieder und ihr fragt euch, wie es dazu kommen konnte. Aber zuletzt ist es nicht von Bedeutung, warum sie so verloren waren. Bedeutend ist, dass es begann sich zu verändern ...


Nicht mit einem Knall.

Nicht mit einem Urteil.

Nicht mit einer Strafe.


Sondern mit einem Atemzug.


Eines Morgens, als der Tau noch auf den Wiesen lag und selbst die Vögel für einen winzigen Moment innehielten, geschah etwas, das niemand geplant hatte. Kein Parlament hatte darüber abgestimmt. Kein Konzern hatte es berechnet. Kein Medium hatte es vorhergesehen.


Mutter Erde sprach.


Nicht laut.

Nicht in Worten, wie Menschen sie kannten.

Sondern als Schwingen. Als Erinnerung. Als sanftes, unumgängliches Spüren.


Manche Menschen hielten plötzlich inne, mitten auf der Straße, mit einer Kaffeetasse in der Hand oder einem Handy am Ohr. Sie wussten nicht warum – aber Tränen stiegen ihnen in die Augen. Andere spürten ein warmes wehen in der Brust, als hätte jemand lange verschlossene Fenster geöffnet. Wieder andere legten ganz selbstverständlich die Hand auf den Boden, auf einen Baumstamm, auf ihre eigene Haut – und wussten: Ich bin nicht getrennt.


Mutter Erde sprach nicht von Schuld.

Sie zählte keine Fehler auf.

Sie klagte nicht an.


Sie erinnerte.


An das Wissen der Zellen.

An die Zeit, in der Gehen ein Lauschen war.

An Wasser, das man ehrte, bevor man es nutzte.

An Nahrung, der man dankte, bevor man sie nahm.

An Gemeinschaft, die kein Besitz war, sondern Freunde und Familie.


Und etwas Erstaunliches geschah:

Die Menschen hörten zu.


Nicht alle zugleich. Nicht überall. Aber genug.


Ein Kind fragte seine Mutter, ob sie mehr draußen spielen können.

Ein Ingenieur legte zum ersten Mal seine Zeichnungen beiseite und spürte, dass Brücken mehr verbinden können als Ufer.

Eine Frau, die jahrelang glaubte, sie müsse stark sein, setzte sich auf die Erde und ließ sich tragen.


Die Welt hielt den Atem an – nicht aus Angst, sondern aus Staunen.


Denn Mutter Erde hatte nicht gesagt: Ihr müsst euch ändern.

Sie hatte gesagt: Ihr dürft euch erinnern.


Und mit dieser Erlaubnis begann etwas ganz Neues.

Oder vielleicht etwas sehr Altes.


Die Menschen begannen, langsamer zu werden.

Nicht aus Zwang, sondern aus einem neuen entdecken mit Freude.

Sie begannen zu fragen – nicht nach dem nächsten Gewinn, sondern nach dem Sinn.

Sie begannen zu fühlen – nicht als Schwäche, sondern als Orientierung.


Und während noch viele Städte laut waren und manche Herzen verschlossen blieben, wuchs etwas Unaufhaltsames, leise und lebendig:


Eine neue Art, Mensch zu sein.

Eine alte Art, Erde zu sein – gemeinsam.

 
 
 

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© Dezember 2025 von Simon Gehringer
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