Begegnung mit Pferden - Tiere mit großen Herzen Zurück in den lebendigen Kontakt mit der Natur
- Simon Gehringer
- 27. Apr.
- 5 Min. Lesezeit
Es gibt Begegnungen, die beginnen ganz offen. Sie beginnen mit Neugier und Stille. Mit Ankommen. Mit dem bewussten Wahrnehmen des eigenen Körpers, des Atems, der Natur und des Moments.
Genau so habe ich den wundervollen Pferden begegnen dürfen bei ToBeWithHorses mit Sandra Hatje.
Sandra hat uns auf eine sehr ruhige, angenehme und zugleich souveräne Weise in diesen besonderen Raum geführt. Zuerst durch eine kleine Fantasiereise, dann durch Reflexion und eine achtsame Begegnungsübung untereinander. Schritt für Schritt entstand ein Feld von Vertrauen, Präsenz und Offenheit, bevor wir den Pferden begegneten.
Es ging darum, da zu sein. Wach, offen, respektvoll — und den Pferden die Freiheit zu lassen, selbst zu entscheiden, ob und wann sie in Kontakt gehen möchten.
Gerade dadurch entstanden berührende Momente.
Ein hellbraunes, zotteliges Pony kam im Vorbeigehen zu mir und berührte sanft mit seiner Flanke die Stelle zwischen Bauch und Brust. Es blieb bei mir stehen, und für eine Weile war da einfach nur gegenseitiges Spüren. Ohne Worte. Ohne Absicht. Eine stille, schöne Verbindung, die mich innerlich mit Kraft und Wärme erfüllte.
Ein anderes Pony begegnete mir auf ganz andere, ganz eigene Weise — temperamentvoller, überraschender, wacher. Auch diese Erfahrung zeigte mir, wie individuell Pferde sind. Jedes Tier bringt seinen eigenen Charakter, seine eigene Energie und seine eigene Art der Begegnung mit.
Besonders tief berührt hat mich später die Begegnung mit einem großen Hengst. Er kam von sich aus zu mir, nachdem er lange auf Abstand geblieben war. Und dann blieb er. Nicht nur für einen kurzen Moment, sondern für eine lange, intensive, wunderschöne Begegnung.
Wir standen ganz nah beisammen: Kopf an Kopf, Stirn an Stirn, Wange an Hals, meine Arme an seiner Brust. Es war eine außergewöhnlich nahe Begegnung — ruhig, kraftvoll und voller Vertrauen. Die Zeit schien sich zu weiten. Da war kein Müssen, kein Tun, kein Programm. Nur dieses große Tier, seine Präsenz, seine Wärme, seine ruhige Kraft — und ich mittendrin.
Erst später wurde mir bewusst, wie stark diese Begegnung nachwirkte. Es war, als hätte mich die stille Kraft dieses Pferdes noch lange begleitet. So eine Nähe zu einem Pferd, aus freier Entscheidung des Tieres heraus, ist schwer in Worte zu fassen. Sie berührt tiefer, als man im Moment begreifen kann.
Pferde bringen uns zurück zu uns selbst
Pferde begegnen uns auf eine unmittelbare Weise. Sie reagieren auf unsere Präsenz. Auf unsere innere Ruhe. Auf unsere Klarheit. Auf unseren Atem. Auf das, was wir ausstrahlen, bevor wir etwas sagen.
Gerade darin liegt ihr großes Geschenk.
Wir leben in einer Zeit, in der fast alles um unsere Aufmerksamkeit kämpft. Nachrichten, Handy, Termine, Erwartungen, Meinungen, Bilder, Geräusche, Aufgaben. Die Welt ist laut geworden. Sie zieht uns nach außen, immer wieder, immer schneller, immer weiter weg von unserem eigenen inneren Raum.
Pferde wirken anders.
Sie holen uns zurück.
In den Körper.
In den Atem.
In den Moment.
In die einfache Wahrheit des Daseins.
Sie verlangen keine Rolle von uns. Sie interessieren sich nicht für unsere Geschichten, unsere Leistungen, unsere Selbstdarstellung. Sie begegnen dem Menschen, der tatsächlich vor ihnen steht. Und genau dadurch erinnern sie uns an etwas sehr Wesentliches: Wir können wieder lernen, einfach da zu sein.
Das ist ein sehr, sehr kostbarer Freundschaftsdienst.
Der alte natürliche Kontakt
Dieser Kontakt mit Tieren ist etwas zutiefst vertraut Menschliches. Über viele Generationen lebten Menschen viel näher mit Tieren, Pflanzen, Wetter, Boden, Jahreszeiten und Landschaft. Sie kannten die feinen Zeichen der Natur. Sie spürten Stimmungen, Bewegungen, Rhythmen und Veränderungen.
Der Mensch war eingebettet in ein lebendiges Beziehungsfeld.
Heute wissen wir viel über Natur. Wir können sie studieren, erklären, vermessen, filmen, fotografieren und einordnen. Doch der direkte Kontakt, das stille Spüren, das einfache Dasein mit Tieren, Bäumen, Wiesen, Boden, Wasser, Sonne und Wind darf wieder mehr Raum bekommen.
Das ist kein Rückschritt. Es ist eine Rückverbindung.
Wir nehmen unser heutiges Bewusstsein mit, unsere Erfahrung, unsere Sprache, unsere Erkenntnisse — und öffnen uns wieder für die unmittelbare Begegnung mit dem Lebendigen.
Der Tag mit den Pferden hat mein Wahrnehmungsfeld geöffnet. Ich gehe nun anders durch die Welt. Wacher. Ruhiger. Bereiter für Kontakt.
Und das Leben antwortet weiter.
Wieder in Beziehung mit der Natur
Genau darin liegt ein Weg, der heute sehr wertvoll ist.
Wir können wieder lernen, in Ruhe und Präsenz in der Natur zu verweilen. Ohne sofort etwas erreichen zu wollen. Ohne aus jedem Moment ein besonderes Erlebnis machen zu müssen. Einfach da sein. Atmen. Schauen. Lauschen. Spüren - außen und auch nach innen.
An einer Weide stehen bleiben.
Einem Tier Zeit lassen.
Bei einem Baum verweilen.
Die Hand auf Rinde legen.
Den Wind auf der Haut wahrnehmen.
Einen Vogel nicht nur hören, sondern ihm wirklich lauschen.
So öffnet sich die Welt wieder als Gegenüber.
Ein Baum wird dann mehr als Kulisse.
Ein Tier wird mehr als Beobachtungsobjekt.
Eine Wiese wird mehr als Landschaft.
Natur wird wieder Beziehung.
Und in dieser Beziehung verändert sich auch der Mensch. Wir werden stiller. Durchlässiger. Wacher. Wir spüren uns selbst wieder feiner. Wir bemerken, wie viel Leben um uns herum ist — und wie viel Leben in uns selbst darauf antwortet.
Die Rückkehr der feinen Sinne
Die Natur spricht leise. Sie spricht durch Bewegung, Nähe, Abstand, Wärme, Geruch, Licht, Wind, Atem, Berührung und Stille.
Tiere sprechen auf ihre Weise besonders klar. Pferde zeigen uns unmittelbar, ob wir wirklich anwesend sind. Rinder begegnen uns mit ruhiger Neugier. Hunde, Katzen, Vögel, Insekten, Bäume, Pflanzen — jedes Wesen hat seine eigene Art, im Leben zu sein.
Wenn wir langsamer werden, nehmen wir das wieder wahr.
Dann wird ein Spaziergang zu mehr als Bewegung.
Eine Weide zu mehr als einem Stück Land.
Ein Tierblick zu mehr als einem schönen Moment.
Ein Baum zu mehr als einem Stamm mit Blättern.
Die Welt wird wieder lebendig erfahrbar.
Ein neuer alter Weg
Die Begegnung mit den Pferden hat mir gezeigt, wie tief dieser Kontakt gehen kann. Das eine Pony mit seiner sanften, ja gar Zeichen Berührung und Energie. Das temperamentvolle Pony mit seiner wachen Eigenart. Der Hengst mit seiner großen, ruhigen Kraft ...
All das gehört zusammen.
Es ist ein Weg zurück in eine natürliche Verbundenheit, die nie verschwunden ist. Sie wartet im Moment. Im Körper. Im Atem. In der Bereitschaft, wieder wirklich da zu sein.
Die Pferde erinnern uns daran.
Sie bringen uns zurück zu uns selbst.
Und indem sie uns zu uns selbst zurückbringen, öffnen sie auch wieder den Weg zur Natur.
Zu den Tieren.
Zu den Bäumen.
Zur Erde.
Zum Wind.
Zum lebendigen Feld, in dem wir längst stehen.
Vielleicht ist das einer der schönsten Dienste, die Tiere uns Menschen schenken: Sie zeigen uns, dass Verbindung nichts Kompliziertes ist.
Sie beginnt dort, wo wir still werden.
Sie wächst dort, wo wir achtsam bleiben.
Sie vertieft sich dort, wo wir dem Leben frei begegnen.
Und dann geschieht etwas sehr Einfaches und sehr Großes zugleich:
Wir kommen zurück.
Zur Natur.
Zum Moment.
Zu uns selbst.
Ich bin sehr dankbar für dieses wundervolle Erlebnis (und das im Jahr des Feuerpferdes ... 🐎🎉) und kann es von ganzem Herzen allen empfehlen, die den Ruf spüren, wieder mehr mit sich und der Natur in Kontakt zu gehen ... 🙏🎉🐎


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